Sonderwelt Werkstatt

Da gerade das Thema Werkstatt groß in den Medien war, dachte ich mir ich schreibe auch mal ein paar Zeilen dazu. Es fiel mir ganz und gar nicht leicht. Die ganze Zeit habe ich das Gefühl damit ein Tabu zu brechen, nein eigentlich sogar ein Verbrechen zu begehen.  Ich habe mich dann dazu entschlossen keine bestimmten Begebenheiten zu erzählen oder den Namen der Werkstatt zu nennen. Aber ich finde es wichtig auf Missstände Aufmerksam zu machen.

Es kann schnell passieren das ein Mensch in solch einer Sonderwelt abgeschoben wird, bei mir war der Übergang schleichend.

Nach einen langen Krankenhaus Aufenthalt, habe ich meinen Job als Integrationshelferin verloren. Damit kam die große Arbeitslosigkeit und dann das reinrutschen in Hartz vier.

Nach drängen einiger Menschen „ich solle wieder was machen“, schlug man mir die Werkstatt für Psychisch kranke vor. Da ich damals immer dachte, die Helfer würden besser wissen was für mich gut ist, beugte ich mich, und stieg als Betroffene in das Boot Richtung Sonderwelt.

In der Werkstatt gab es verschiedene Bereiche, da für mich das Sortieren von Schrauben oder Packen von Dingen nicht in Frage kam, landete ich in der Küche. Schnell merkte ich, das ich als Behinderter nicht viel zu melden hatte. Einige Anleiter haben allein durch ihr Verhalten klargemacht, dass ich nicht so viel Bedeutung habe wie sie.

Da ich mir sicher war, an einen Geschützten Arbeitsplatz gelandet zu sein, kam ich nur schwer damit zurecht, dass dort ein sehr rauer Ton und viele Erniedrigungen seitens einzelner Anleiter Alltag war. Es gab eine ganz klare Rangordnung, in der waren meine Männliche Arbeitskollegen klar weit Oben. In den Paar Jahren wo ich dort war, habe ich viel erlebt. Alltäglich waren aber die Erniedrigungen und das sich Lustig machen, einiger Anleiter.  Manchmal in Beisein meiner Kollegen. Ich hatte das Gefühl, das sich nicht viel um meine Würde geschert wird. Oder ich als Erwachsene selbstständige Person degradiert werde zum „schätzelein“. Es kam dann soweit, dass ich regelrecht Panik entwickelte dort hingehen zu müssen. Abends klangen schon das Lachen und die dummen Sprüche manches Anleiters in meinen Ohren, die am nächsten Tag auf mich warten würden.

Hinzu kam, dass einige Männliche Kollegen ihre „Wollust“ nicht in Griff hatten. So gab es für uns Weibliche Kolleginnen oft ein Klapps auf dem Hintern, oder aber die Information wie aufgeregt ihr „kleiner Kollege“ ist.  Ansonsten war das Klima unter uns Mitarbeitern aber gut und Kollegial.

Der Sozialdienst war bemüht auf meine Beschwerden und die meiner Kollegen einzugehen.  Leider wurde mir aber nicht wirklich geholfen, da sie die Betroffenen Anleiter immer fragten ob das so stimmte. Natürlich verneinten sie das. Die Situationen danach waren alles andere als angenehm.

So war ich gefangen in einer Spirale. Ich hatte das Gefühl nicht ernst genommen zu werden. Das ich mir alles nur einbilde und ich froh sein kann hier einen Arbeitsplatz gefunden zu haben.

Wenn ich an die Zeit zurückdenke, bleibt mir oft die Spucke weg Ich zweifele an meinen Verstand und denke das kann nicht sein. Allerdings würde ich ihnen aber auch auf dem Tisch tanzen, denn solche Verhältnisse sind inakzeptabel. Dennoch sei gesagt das es unter den Anleitern auch wirklich hingebungsvolle und Respektvolle Anleiter gab.

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